Ausgabe 72 - 31.03.2020

UMSICHTEN - Berliner Newsletter zur Prävention von Kinder- und Jugenddelinquenz
Stiftung SPI, Clearingstelle - Netzwerke zur Prävention von Kinder- und Jugenddelinquenz

Inhaltsverzeichnis:

Herzlich willkommen

Projektbericht
(Das sind wir: Die AG Kinder und Jugendkriminalität stellt sich vor) 

Neues aus ...

  • Schule
    (EINLEBEN – Digitales Lern- und Erfahrungsspiel / Ursachen und gesellschaftliche Folgen von Schulabsentismus)
  • der Jugendhilfe
    (Primus-Preis März / Reform der Kinder- und Jugendhilfe schreitet voran / PHÄNO_Cultures: Phänomenübergreifende politische (Jugendkultur-)Bildung zur Stärkung menschenrechtlicher und demokratischer Haltungen)
  • anderen Bereichen
    (Clearingstelle – Netzwerke zur Prävention von Kinder- und Jugenddelinquenz: Imagefilm: „Die Clearingstelle stellt sich vor“ / WESPE – Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen durch Evaluation: Übersichtstool über die Wirksamkeit von kriminalpräventiven Ansätzen und Maßnahmen / REFUGEEUM / DVJJ-Tutorial Folge 16 zum Thema „JGG-Änderungen ab 12/2019“ ist online! / „Erwischt“: Filmreihe über straffällig gewordene Jugendliche)


Publikationen und Dokumentationen

(Nina Palmowski: Sanktionierung und Rückfälligkeit von Heranwachsenden / Bundesarbeits-gemeinschaft Kinder und Jugendschutz; Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V.: Jugend-medienschutz in leichter Sprache / Melanie Giertz, Andreas Hautz, Andreas Link und Jasmin Wahl: Sexualisierte Gewalt online – Kinder und Jugendliche besser vor Übergriffen und Missbrauch schützen / AFET-Bundesverband für Erziehungshilfe e. V.: Abschlussbericht Arbeitsgruppe Kinder Psychisch- und Suchterkrankter Eltern / Antje Gansewig und Dr. Maria Walsh: Biografiebasierte Maßnahmen in der schulischen Präventions- und Bildungsarbeit / Theresia Höynck, Frank Neubacher, Stephanie Ernst und Ulrike Zähringer (Hrsg.):„Internationale Menschenrechtsstandards und das Jugendkriminalrecht“ / Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin: Themenheft Nr. 57)


Veranstaltungen und Termine
(Fachtagung Maßregelvollzug und Sucht in Duisburg / Tagung: Strafrecht und Digitalisierung in Leipzig / Seminar: Desistance from crime – Ausstieg aus kriminellen Karrieren in Heidelberg / Interdisziplinäre Konferenz: Schutz unserer Kinder vor sexualisierter Gewalt in Güstrow)

Redaktionsschluss
(31. März 2020) 

 

Herzlich willkommen zur 72. Ausgabe der UMSICHTEN!

Liebe Leserinnen und Leser der UMSICHTEN,
trotz dieser besonderen Zeiten, in denen ein Virus die Welt in Atem hält, versorgen wir Sie, wie gewohnt, mit Neuigkeiten aus der Schule, der Jugendhilfe, anderen Bereichen, und stellen Ihnen einige neu erschienene Publikationen vor. Weiterhin freuen wir uns, Ihnen einen Einblick in die AG Kinder- und Jugendkriminalität aus Berlin zu geben! Zudem haben wir einige interessante Veranstaltungen zusammengetragen, wobei zu beachten ist, dass Interessierte sich regelmäßig über eventuelle Absagen oder Verschiebungen aufgrund der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen informieren sollten.
Wir wünschen allen einen schönen Start in den Frühling und hoffen, dass Sie alle gesund bleiben!
Viel Spaß beim Lesen!


Stefanie Rücknagel & Lisa Klank
Redaktion UMSICHTEN

 

 

 Projektbericht:

Das sind wir: Die AG Kinder- und Jugendkriminalität stellt sich vor

In Neukölln wurde durch das Jugendamt im Jahr 2017 ein Präventionsprojekt an die Jugendgerichtshilfe angegliedert. Es gibt drei Fachkräfte (w/m/m), die Familien intensiv-sozialpädagogisch betreuen. Bei der "AG Kinder- und Jugendkriminalität" handelt es sich um eine dem Jugendamt zugehörige Arbeitsgruppe, die auf Grundlage des SGB VIII arbeitet und Leitziele in der Jugendhilfe (§ 1 Abs. 3 SGB VIII) verwirklicht. Im Rahmen dieser Tätigkeit werden strafrechtlich signifikant gefährdete junge Menschen im Alter von 10-17 Jahren in ihren unterschiedlichen Familienkonstellationen betreut. Der Schwerpunkt liegt in der aufsuchenden sozialen Arbeit, der Analyse der jeweiligen Problemlagen sowie in der Vermittlung für Schulen, Jugendämter, andere Behörden, Freizeiteinrichtungen, Sportvereine, Moscheen und weitere Träger. Die Kinder und Jugendlichen weisen Verhaltensweisen im Delinquenz-Spektrum, wie Schul-distanz/Schulprobleme oder ein zielloses Freizeitverhalten auf und leben teilweise in instabilen Familiensystemen mit häufig abwesenden Vaterfiguren. Anders als die Beauftragung von Einzel- oder Familienhilfe bei freien Trägern, wird hier das Jugendamt mit eigenen Fachkräften direkt tätig. Die umfassende Vernetzung der Beteiligten (Schule, Polizei, Jugendamt, Psychologen und andere Fachdienste) trägt zu einer schnellen Reaktions- und Handlungsmöglichkeit der AG und der Eltern bei. Ziel ist es:

  • durch eine systematische und abgestimmte Vorgehensweise die Familien straffälliger junger Menschen früh zu erreichen und koordiniert und konsequent zu reagieren,
  • die Anzahl der Mehrfach- und Intensivtäter zu reduzieren,
  • den Integrationswillen zu stärken und aktiv einzufordern.

Alle Kooperationspartnerinnen und -partner der AG werden durch eine Einwilligungserklärung der Familien zum Zwecke der Zusammenarbeit zum Austausch personenbezogener Daten ermächtigt. Grundsätzlich erfolgt ein Austausch mit der Polizei, um für die AG relevante Informationen zu gewinnen und mit der Familie zu besprechen. Die AG ist nicht verpflichtet, mögliche Straftaten der Polizei zu melden. Bei schweren Straftaten, z. B. gegen das Leben eines anderen Menschen, gelten selbstverständlich Ausnahmen. Die AG setzt sich bei einer guten Entwicklung mit einer Empfehlung bei Gericht für die Jugendlichen ein. Seit 2017 sind über 152 Fallanfragen an die AG herangetragen worden, davon konnten seither 25 Fälle erfolgreich beendet werden. Derzeit befinden sich 40 Personen in Betreuung.

Kontakt:
Anne Killmann (Sozialarbeiterin/-pädagogin)
Bezirksamt Neukölln von Berlin
Jugendgerichtshilfe
AG Kinder- und Jugendkriminalität
Karl-Marx-Straße 83, 12040 Berlin
030.902 39 36 27 fon
0160.334 87 01 mobil
030.902 39 45 45 fax

 

Neues aus...

 ...der Schule

EINLEBEN – Digitales Lern- und Erfahrungsspiel
Das webbasierte, digitale Lern- und Erfahrungsspiel EINLEBEN der Heinrich Böll Stiftung thematisiert soziale Herkunft, Zufriedenheit und Entscheidungsspielräume und richtet sich an junge Menschen zwischen 16 bis 25 Jahren. In dem Spiel setzen sich Schüler und Schülerinnen mit typischen Lebensereignissen auseinander und treffen Entscheidungen hinsichtlich ihrer Spiel-Ressourcen: Bildung, Geld und Beziehungen. Im Anschluss an das Spiel sollen die Startvoraussetzungen mit dem Ergebnis verglichen werden – den Jugendlichen stehen dafür reale Statistiken zu Faktoren sozialer Herkunft zur Verfügung. Lehrkräfte können sich online als Spielleiter/innen registrieren.

Ursachen und gesellschaftliche Folgen von Schulabsentismus
Die FDP-Fraktion widmet sich in einer „Kleinen Anfrage“ den Ursachen und gesamt-gesellschaftlichen Folgen von Schulabsentismus. Sie haben Interesse daran zu erfahren, welchen Kenntnisstand die Bundesregierung über dieses Phänomen hat und inwieweit sie sich dafür einsetzt, diesem entgegenzutreten. Daher möchten die Abgeordneten wissen, wie viele junge Menschen laut Bundesregierung ohne einen Schulabschluss in Deutschland die Schule verlassen. Gleichzeitig fragen sie danach, welche Kernerkenntnisse die Bundesregierung daraus zieht. Die „Kleine Anfrage“ ist online abrufbar.

 

... der Jugendhilfe


Primus-Preis: Preisträger im März 2020
Der Primus-Preis wird jeden Monat an zivilgesellschaftliche Initiativen vergeben. Für den März dieses Jahres wurde das Projekt des gemeinnützigen Vereins Sunrise e. V. Magdeburg ausgezeichnet: In nur acht Wochen haben rund 20 Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren eigenständig ein Theaterstück mit dem Namen "Die wertvolle Kette" entwickelt und aufgeführt. Sie haben Themen festgelegt, Szenen und Musikstücke geschrieben, die Choreografie eingeübt, sich um das Bühnenbild gekümmert und vieles mehr. Viel wichtiger aber noch haben sie Werte vermittelt bekommen und gelernt, dass jeder Einzelne von ihnen selbst wertvoll ist. Weitere Informationen unter Primus-Preis im März 2020.

Reform der Kinder- und Jugendhilfe schreitet voran
Vor knapp einem Jahr, in unserer 66. Ausgabe, berichteten wir über die angestrebte Modernisierung der Kinder- und Jugendhilfe im Rahmen des Beteiligungs- und Diaologprozesses mit Dr. Franziska Giffey, (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) und Caren Marks (Parlamentarische Staatssekretärin). Ziel sei es, eine Gesetzesinitiative zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe zu verabschieden und damit einhergehend das SGB VIII zu reformieren. Zum Stand März 2020 soll nun der Dialogprozess mit dem Forschungsvorhaben „Hochproblematische Kinderschutzverläufe: Betroffenen eine Stimme geben“ ausgeweitet werden, um die Perspektiven von Betroffenen stärker zu berücksichtigen. Im Rahmen des Forschungsprojekts werden Berichte von Betroffenen systematisch gesammelt und durch Experten und Expertinnen ausgewertet. Aus den Auswertungen sollen Handlungsempfehlungen entstehen, auf deren Grundlage dann der Gesetzesentwurf formuliert werde. Auf der Plattform mitreden-mitgestalten wird fortlaufend über den Prozess informiert.

PHÄNO_Cultures: Phänomenübergreifende politische (Jugendkultur-)Bildung zur Stärkung menschenrechtlicher und demokratischer Haltungen
PHÄNO_Cultures ist ein Projekt von cultures interactive (Verein zur interkulturellen Bildung und Gewaltprävention) und wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Das Ziel ist es, Diskurse über und die Reflexion von religiös begründeten oder rechtsextremen Ideologien mit jungen Menschen (14-20 Jahre) zu führen bzw. anzuregen. Weiterhin verfolgt das Projekt die Ziele, zivilgesellschaftliche Werte der gegenseitigen Anerkennung und Gewaltvermeidung, die Identitäts-Stärkung der Jugendlichen jenseits von Radikalisierung, sowie die Reflektion und den Perspektivaustausch durch rassismuskritische Arbeit zu fördern. Dafür bietet das Projekt phänomenübergreifende Extremismusprävention in Schulen, im Rahmen von Schulprojekttagen und Jugendclubs an. Während des Projekts sollen gesellschaftliche Herausforderungen thematisiert, neue Ausdrucksformen eröffnet und durch Reflektion und Perspektivaustausch die Widerstandskraft gegen Radikalisierung der jungen Menschen gestärkt werden. Dafür werden verschiedene Methoden wie z. B: Breakdance, Skateboarding, Streetart und Graffiti sowie Medien- und Musikkurse angeboten. Das Projekt gibt es in verschiedenen Städten. Mehr Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf der Seite von PHÄNO_Cultures.

 

 

... anderen Bereichen

Clearingstelle – Netzwerke zur Prävention von Kinder- und Jugenddelinquenz: Imagefilm „Die Clearingstelle stellt sich vor“
Das Projekt Clearingstelle – Netzwerke zur Prävention von Kinder- und Jugenddelinquenz der Stiftung SPI hat den Auftrag, den Dialog zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugendhilfe und der Bereiche Schule, Polizei und Justiz in Berlin anzuregen und auszubauen sowie die Akzeptanz für das jeweils andere Berufsfeld zu stärken. Wie das geht, ist manchmal gar nicht so einfach – in wenigen Sätzen – zu erklären. Daher haben wir gemeinsam mit Benjamin Sterzenbach (sterzenbach.design) einen Imagefilm entwickelt, welcher die Clearingstelle, ihre Arbeitsweise und Prinzipien sowie ihre zahlreichen Angebote in knapp zwei Minuten erklärt und vorstellt.
Der Film kann jederzeit über die Homepage der Clearingstelle oder über Youtube angesehen werden.

 

WESPE – Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen durch Evaluation: Übersichtstool über die Wirksamkeit von kriminalpräventiven Ansätzen und Maßnahmen
Das vom Nationalen Zentrum Kriminalprävention (NKZ) entwickelte Portal dient der Übersicht über die Wirksamkeit unterschiedlicher kriminalpräventiver Ansätze und Maßnahmen. Mit Hilfe relevanter Fakten über zahlreiche wissenschaftliche Studien, gibt das Portal einen schnellen Überblick: „Welche Berufsgruppen sind an den verschiedenen Präventionsansätzen beteiligt?“, „Welche Reichweite haben die vorhandenen Ansätze und wen adressieren sie?“ „Wie gut sind die aufgeführten Maßnahmen evaluiert?“ „Zu welchem Ergebnis kommen die Evaluationen?“ „Welche Maßnahmen reduzieren Kriminalität und welche Maßnahmen haben keine nach-gewiesene oder sogar eine schädliche Wirkung?“ „Mit welchen Methoden wurden die Maß-nahmen evaluiert?“ „Sind diese Methoden dazu geeignet?“ „Wie belastbar und verlässlich sind die Ergebnisse?“
Um die, für einen selbst, interessante Präventionsmaßnahme (und deren Evaluation) zu finden, wählt man in dem Tool das Thema (z. B. Islamistische Radikalisierung oder Mehrfachauffälligkeit im Jugendalter), den Präventionsansatz (z. B. Ambulante Behandlung oder Sozialer Trainings-kurs), das Ziel-Objekt (Täter/in, Situation/Ort, Opfer), die Reichweite (z. B. primär oder tertiär), das Berufsfeld (z. B. Schule/Pädagogik, Strafvollzug oder Kinder- und Jugendhilfe) aus, außerdem ob der Präventionsansatz ganzheitlich sein soll oder nicht. Nach diesen Selektionskriterien werden entsprechende Maßnahmen aufgelistet und nach deren Wirksamkeit, wissenschaftlicher Belastbarkeit, Übertragbarkeit, theoretischen Fundierung und deren Anzahl an Evaluations-studien bewertet. Am Ende kann ein vom NKZ gebildeter Evidenzindex eingesehen werden, welcher einen Anhaltspunkt für das wissenschaftliche Evaluationsniveau darstellt. Das Portal ist kostenfrei über das NKZ zugänglich.

REFUGEEUM
In einem gemeinsamen extracurricularen Studienprojekt zwischen dem Institut für Psychologie der Universität Hamburg (Prof. Yvonne Nestoriuc) und der Arbeitsgruppe Psychosoziale Migrationsforschung am Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie des Universitäts-klinikums Hamburg-Eppendorf (Dr. Mike Mösko) wurde REFUGEEUM, eine kostenlose Website, die geflüchteten Menschen Unterstützung bietet, deren Wohlbefinden durch körperliche oder seelische Beschwerden beeinträchtigt ist, erstellt. Sie informiert darüber, wie Körper und Geist auf belastende Ereignisse reagieren und will dabei helfen, eigene Gefühle und Reaktionen besser verstehen zu können. Die Website verdeutlicht, was man selbst oder für andere Betroffene tun kann, damit es wieder besser geht. Alle aufgelisteten Strategien sind wissenschaftlich belegt, von Gesundheitsexperten und Gesundheitsexpertinnen empfohlen, können ohne weitere Hilfsmittel angewendet werden und richten sich gleichermaßen an Frauen und Männer. Zur Website gelangen Sie hier.

DVJJ-Tutorial Folge 16 zum Thema „JGG-Änderungen ab 12/2019“ ist online!
Die Deutsche Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e. V. hat ein neues Tutorial zum Thema "JGG-Änderungen ab 12/2019" veröffentlicht. Nicht nur in der deutschen Gesetzgebung, sondern auch für den gemeinsamen europäischen Rechtsrahmen, den sich die Mitgliedsstaaten der EU gegeben haben, gilt: Jugendstrafrecht ist Erziehungsstrafrecht. Im Dezember letzten Jahres wurden zwei Gesetzesänderungen verabschiedet, die der Verein-heitlichung der Rechtsausübung in den europäischen Mitgliedsstaaten dienen: das Gesetz zur Neuregelung des Rechts der notwendigen Verteidigung (13.12.2019) sowie das Gesetz zur Stärkung der Verfahrensrechte von Beschuldigten im Jugendstrafverfahren (17.12.2019). Das DVJJ-Tutorial fasst die wichtigsten Änderungen zusammen, die den Arbeitsalltag von Jugend-staatsanwälten und Jugendstaatsanwältinnen sowie Jugendrichtern und Jugendrichterinnen beeinflussen. Kostenfrei abrufbar unter dvjj.de.

„Erwischt“: Filmreihe über straffällig gewordene Jugendliche
Das Medienprojekt Wuppertal hat eine Filmreihe über/mit straffällig gewordene(n) Jugend-liche(n) herausgebracht, welche aus sechs Filmen sowie Experten- und Expertinneninterviews aus den Bereichen Justiz, Sportpädagogik und Sozialpädagogik besteht. Die Filmreihe beschäftigt sich mit jungen Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind und die sich nun mit strafrechtlichen Konsequenzen ihrer Handlungen konfrontiert sehen. Dabei begleitet das Filmteam die Jugendlichen in deren Alltag sowie bei deren jugendstrafrechtlichen Maßnahmen und spricht mit ihnen über den Umgang mit Wut, Ärger und Aggressionen. Lebensnah beleuchten die Filme hierbei die unterschiedlichen Wege sowie die sozialen, individuellen und strukturellen Ursachen von Straffälligkeit. Im Sinne der Kriminalprävention soll die Filmreihe Jugendliche zur Reflexion ihres Handelns mit den Folgen für Opfer und Täter anregen und sie darin stärken, Straftaten zu vermeiden.
Die Filmreihe kann für 12,00 EUR ausgeliehen oder als DVD für 32,00 EUR gekauft werden. Auch einzelne Filme stehen als Stream für 9,00 EUR oder als Download für 25,00 EUR zur Verfügung. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage der Mediengruppe Wuppertal.

 

 

Publikationen und Dokumentationen

Nina Palmowski: Sanktionierung und Rückfälligkeit von Heranwachsenden
Nina Palmowski untersucht die strafrechtliche Behandlung von Heranwachsenden sowie deren Rückfälligkeit nach jugend- und erwachsenenstrafrechtlichen Sanktionen. Hierbei überprüft sie aufkommende Fragestellungen, die wichtig im Hinblick auf die Heranwachsendenregelung des § 105 I JGG sind. "Ist das Jugendstrafrecht für Heranwachsende „milder“ als das Erwachsenen-strafrecht?", "Inwiefern fällt die strafrechtliche Behandlung von Heranwachsenden regional unterschiedlich aus?" und "Gibt es Hinweise auf eine bessere Wirksamkeit jugend- oder erwachsenenstrafrechtlicher Reaktionen bei Heranwachsenden?" sind nur einige der empirisch überprüften Fragestellungen ihrer Analyse. Die im Rahmen der Göttinger Studien zu den Kriminalwissenschaften erschienene Publikation kann für 68,00 EUR erworben werden (Printversion) bzw. steht zum kostenfreien Download bereit.
Nina Palmowski ist seit März 2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Abteilung für Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug der Georg-August-Universität Göttingen.

Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz; Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V.: Jugendmedienschutz in leichter Sprache
Die heutige Welt bietet ein breites Spektrum an Medien, welche unseren Kindern und Jugendlichen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Neben den Chancen und Möglichkeiten, die diese Entwicklung bietet, zeigt sie auch zahlreiche Risiken auf. Daher ist die Vermittlung eines kompetenten Umgangs mit den Medien wichtige Aufgabe von Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen geworden. Nicht nur die sogenannten "Digital Natives" müssen medienkompetent handeln und konsumieren lernen, sondern auch ihre Eltern, im Rahmen von Elternarbeit, für die Mediennutzung ihrer Kinder sensibilisiert werden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz und die Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. haben diesbezüglich ein Dossier in leichter Sprache entwickelt, damit auch Menschen mit Beeinträchtigung selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben und sich über die Themen Medien und Jugendmedienschutz informieren können. Das Dossier kann kostenfrei als PDF-Version heruntergeladen werden.


Melanie Giertz, Andreas Hautz, Andreas Link, Jasmin Wahl: Sexualisierte Gewalt online – Kinder und Jugendliche besser vor Übergriffen und Missbrauch schützen

Jährlich gehen knapp 40.000 Meldungen über sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche im Internet bei "jugendschutz.net" ein. Sexualisierte Gewalt beginnt nicht erst, wenn strafbare Handlungen vorliegen, sondern bereits, wenn die Grenzen des sexuellen Selbstbestimmungs-rechts überschritten werden. Auch unerwünschte, sexuelle Ansprache von Kindern und Jugendlichen über die sozialen Medien verletzen die persönliche Integrität der Betroffenen. Der vorliegende Bericht verdeutlicht das Ausmaß des Phänomens und zeigt dringenden Handlungs-bedarf auf. Er kann kostenfrei als PDF-Version heruntergeladen werden.
jugendschutz.net arbeitet mit gesetzlichem Auftrag und ist das gemeinsame Kompetenz-zentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Der vorliegende Bericht wurde im Dezember 2019 veröffentlicht.

AFET-Bundesverband für Erziehungshilfe e. V.: Abschlussbericht Arbeitsgruppe Kinder psychisch- und suchterkrankter Eltern
In den letzten Jahren sind psychische Erkrankungen sowie Suchterkrankungen immer stärker in den Fokus von Politik und Gesellschaft gerückt. Obwohl viele betroffene Familien geeignete Wege finden, um mit aufkommenden Belastungen umzugehen und negative Folgen für ihre Kinder zu vermeiden, stellen psychische Erkrankungen eines Elternteils oftmals große Belastungen für Kinder und Jugendliche dar. Häufig erfahren sie nur unzureichende emotionale Unterstützung und sind elterlichem Verhalten ausgesetzt, dass sich kritisch auf ihre Entwicklung auswirken kann. Darüber hinaus ist bei Kindern psychisch kranker Eltern die Wahrscheinlichkeit, selbst eine psychische Störung oder Erkrankung zu entwickeln größer als bei Kindern mit psychisch gesunden Eltern. Vor diesem Hintergrund besteht erheblicher Handlungsbedarf. Der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe psychisch- und suchterkrankter Eltern kann kostenfrei als PDF-Version heruntergeladen werden.

Antje Gansewig und Dr. Maria Walsh: Biografiebasierte Maßnahmen in der schulischen Präventions- und Bildungsarbeit
Diese Publikation liefert die Gesamtergebnisse des von Antje Gansewig und Dr. Maria Walsh am Nationalen Zentrum für Kriminalprävention (NZK) bis Ende 2019 durchgeführten Forschungsprojekts zur erstmaligen umfassenden wissenschaftlichen Betrachtung der Ein-bindung früherer Extremisten in die schulische Präventionsarbeit unter besonderer Berück-sichtigung ehemaliger Rechtsextremer. Dabei wird zum einen die bundesweite Anwendungs-praxis in einer Bestandserhebung mittels Interviews, postalischer Befragung und Medienanalyse beleuchtet. Zum anderen wird eine exemplarische primärpräventive Schulmaß-nahme eines früheren Rechtsextremen umfangreich, mit belastbarem Design und ausreichend großer Stichprobe evaluiert. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Einschätzungen der Teil-nehmenden sowie die Effekte der Maßnahme auf die Schülerinnen und Schüler. Das Buch kann bei der Nomos Verlagsgesellschaft für 98,00 EUR bestellt werden.
Antje Gansewig und Dr. Maria Walsh schrieben das Buch im Rahmen ihrer Tätigkeit am NZK.

Theresia Höynck, Frank Neubacher, Stephanie Ernst und Ulrike Zähringer (Hrsg.): „Internationale Menschenrechtsstandards und das Jugendkriminalrecht“
Seit die Vereinten Nationen Mitte der 1980er Jahre die Rechte des Kindes stärker auf ihre Agenda setzten, entstand eine Vielzahl von Dokumenten und Regelwerken, die den Bereich des Jugendkriminalrechts betrafen. Die Neuauflage des bereits 2001 von der DVJJ veröffentlichten Sammelbandes hat nochmals deutlich an Umfang gewonnen. Ziel der Herausgeber und Herausgeberinnen des aktuellen Bandes ist es, die praktische Nutzung, insbesondere durch Justiz und Jugendhilfe, in der deutschen Jugendkriminalrechtspflege zu unterstützen, indem ein Überblick zum Spektrum der internationalen Rechtsvorschriften mit Bezug zum Jugendkriminalrecht dargeboten wird. Die PDF-Version kann kostenfrei heruntergeladen werden.

Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin: Themenheft Nr. 57
Die Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin hat ihr 57.Themenheft veröffentlicht, wobei es in der aktuellen Ausgabe um das Thema „Wir bleiben fair – Welche Regeln haben wir zur Nutzung des Handys in der Schule“ geht. Neben Informationen zur Prävention von Computer-, Online- und Glücksspielsucht, finden sich in dem Heft Beiträge zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und illegalen Drogen (u. a. gibt es Informationen über das Berliner Programm „HaLT proaktiv“), zu elektronischen Zigaretten und E-Shishas sowie zur Prävention im Partysetting („K.O.-Tropfen“). Zudem gibt es ein Interview mit Dr. med. Dr. phil. Klaus von Ploetz, (Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, für psychotherapeutische Medizin sowie Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Chefarzt der Gezeitenhaus Klinik Schloss Wendgräben) zum Thema „Sucht als Impulsregulationsstörung – Reframing eines tabuisierten Begriffs?“. Das Themenheft steht zum kostenfreien Download bereit.

 

Veranstaltungen und Termine


Fachtagung Maßregelvollzug und Sucht in Duisburg
Die Landschaftsverband-Westfalen-Lippe-Akademie für Forensische Psychiatrie veranstaltet in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt Hagen-Märkischer Kreis und dem Niederrhein Therapiezentrum Duisburg eine interdisziplinäre Tagung zum Thema „Wandel“. Neben Tätigen im Maßregelvollzug richtet sich diese Tagung auch an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der allgemeinen Suchthilfe sowie Interessierte an forensischer Suchtbehandlung. Momentan findet ein Wandel in Gesetzgebung und Rechtsprechung, im Verständnis von Suchterkrankungen und auch in der Gesellschaft selbst statt. Wie wirkt sich dieser vielfältige Wandel auf den Maßregelvollzug aus und wie kann, bzw. sollte die forensische Suchtbehandlung darauf reagieren? Um diese und weitere Fragen rundum beleuchten zu können, werden Referenten und Referentinnen unterschiedlicher Professionen Plenarvorträge halten, es werden Workshops veranstaltet und eine Posterausstellung angeboten.
Neues Datum: 22.04. – 23.04.2020
Ort: Duisburg, BEW Bildungszentrum
Kosten: Teilnahmegebühr für beide Tage 150,00 EUR; jeweils ein Tag 100,00 EUR
Informationen und Programm

Tagung: Strafrecht und Digitalisierung in Leipzig
Die Tagung, die von der Universität Leipzig in Kooperation mit der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg organisiert wird, widmet sich neuen Herausforderungen für das Strafrecht und für den Strafgesetzgeber und bietet Raum, das "Broken Web Phänomen" zu diskutieren. Darüber hinaus wird u.a. die Frage besprochen, inwieweit die Digitalisierung das Strafrecht verändert. Im Anschluss an das Programm des ersten Tagungstages wird Michael Wolting, Präsident des Amtsgerichts Leipzig, für interessierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen eine Führung durch das "Childhood-Haus" Leipzig anbieten. Das „Childhood-Haus“ ermöglicht eine Zusammenarbeit von Polizei und Justiz mit Psychologen und Psychologinnen sowie Ärzten und Ärztinnen in Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern.
Datum: 08.05. – 09.05.2020
Ort: Leipzig, Universität Leipzig
Kosten: Gebühr für beide Tage 200,00 EUR;
Doktoranden und Doktorandinnen und Studierende 30,00 EUR
Informationen und Programm

Seminar: Desistance from crime – Ausstieg aus kriminellen Karrieren in Heidelberg
In den letzten Jahren wurde der Hilfe- und Kontrollauftrag der Bewährungshilfe oft nur bezüglich der Risikoorientierung diskutiert. Andere Ansätze für erfolgreiche Resozialisierungen traten dabei in den Hintergrund und die Ergebnisse der "Desistance"-Forschung (Desistance = Aufstiegsprozess aus kriminellen Karrieren), fanden wenig Beachtung. Das Seminar, durchgeführt von dem DBH e.V. - Fachverband für soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik, gibt einen Überblick zu wesentlichen Erkenntnissen der "Desistance"-Forschung und stellt Verbindungen zu dem "Risk-Need-Responsivity-Modell" sowie dem "Good-Lives-Model" her. Diesbezüglich soll dann überlegt werden, inwieweit wissenschaftliche Erkenntnisse im beruflichen Alltag umgesetzt werden können. "Wie kann ein Ausstieg aus der Kriminalität gelingen?", "Wie wichtig sind hierbei Anerkennung und der Aufbau einer helfenden
Beziehung?" Diese und weitere Fragen sollen im Rahmen des Seminars näher beleuchtet werden.
Datum: 23.07. – 24.07.2020
Anmeldeschluss: 02.07.2020
Ort: Heidelberg, ISG Hotel
Kosten: Seminargebühr 185,00 EUR, Verpflegung 82,00 EUR, Übernachtung im Einzelzimmer inkl. Frühstück 80,00 EUR
Informationen und Programm

Interdisziplinäre Konferenz: Schutz unserer Kinder vor sexualisierter Gewalt in Güstrow
2018 waren laut Kriminalstatistik insgesamt 14.606 Kinder von sexueller Gewalt betroffen, gut jedes zehnte war jünger als sechs Jahre (1.826 Kinder). Im Bereich des Kinderschutzes gegen sexualisierte Gewalt sollte daher möglichst frühzeitig (in Kitas, Schulen) mit Präventionsarbeit begonnen werden. Hier ist es besonders wichtig, dass sich staatliche Stellen wie Opferhilfen, Jugendämter, Polizei, Justiz, Schule und Opferambulanzen vernetzen, um sich Kenntnisse über die jeweilige Arbeit der anderen anzueignen und um gemeinsam dem Kindeswohl zu dienen. Die Konferenz richtet sich an Mitarbeitende aus den oben genannten Fachbereichen.
Datum: 06.05.2020
Anmeldeschluss: 21.04.2020
Ort: Güstrow, Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege; Festsaal (Lehrgebäude 4, Raum 271)
Informationen und Programm

 

Redaktionsschluss


Die nächste Ausgabe der UMSICHTEN erscheint im Juni 2020. Redaktionsschluss ist der 31.05.2020; bitte reichen Sie Ihre Beiträge bis zu diesem Termin hier ein.

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