Sonderausgabe - 19.05.2020

UMSICHTEN - Berliner Newsletter zur Prävention von Kinder- und Jugenddelinquenz
Stiftung SPI, Clearingstelle - Netzwerke zur Prävention von Kinder- und Jugenddelinquenz

Inhaltsverzeichnis:

Herzlich willkommen zur Sonderausgabe der UMSICHTEN!

Coronapandemie und ihre Auswirkungen

(Kinder und Jugendliche vor Missbrauch und Gewalt schützen / Erstauswertung zur Umfrage zu seelischer Gesundheit / Deutlich mehr Einsätze wegen häuslicher Gewalt, aber kaum mehr Anzeigen / Sinkende Meldungen zu Kindeswohlgefährdung / Strafvollzug und Corona / Abzocke im Corona-Schutzanzug)

Hilfe und Unterstützung finden

(„Kein Kind alleine lassen“ – Soforthilfe in Zeiten von Corona / Hinweise für gestresste Eltern und Anlaufstellen bei Konflikten und Gefahrensituationen / Erstes bundesweites Hilfetelefon für Männer / Initiative „Stärker als Gewalt“)

Gut zu wissen

(Hotline der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung zur Abklärung einer Corona-Infektion / Erste Lockerungen für Einrichtungen der Jugendarbeit / Plattform „Forum Transfer.Innovative Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten von Corona“ / Linksammlung zu Informationen und Tipps in verschiedenen Sprachen)

Fortbildungen

(Online-Seminare der Fokus Medienberatung in Berlin)

Kurzinterviews: 5 Fragen an...

(Andreas Ney – Fachkoordination Jugendgerichtshilfe Berlin-Mitte / Katarina Pohle – Berliner Büro für Diversionsberatung und -vermittlung)

In eigener Sache

(Keine Einschränkung bei der Clearingstelle / Kontakt zu Kriseneinrichtungen)

 

Redaktionsschluss
(13. Mai 2020) 

 

Herzlich willkommen zur Sonderausgabe der UMSICHTEN!

 

Liebe Leserinnen und Leser der UMSICHTEN,

diese außergewöhnliche Zeit bringt neue Herausforderungen mit sich, auch für die Berliner Hilfelandschaft. Das Coronavirus hat uns in den letzten Wochen gezwungen, vermehrt zu Hause zu bleiben. Für einige bedeutete es den Verlust oder Stillstand der Arbeit und für alle die Einschränkung ihrer physischen sozialen Kontakte. Diese Umstände führen dazu, dass sich Situationen verschärfen können, wie beispielsweise Konflikte in und mit der Familie. Gleichsam können Situationen auch entschärft werden durch einen anderen Umgang miteinander und teilweise fehlende äußere Gegebenheiten, wie Schulzeiten. Die Pandemie hat unserer aller Welt und Tagesabläufe massiv geprägt.

Daher möchten wir mit dieser Sonderausgabe Einblicke in diesen Veränderungsprozess geben: Welche Auswirkungen lassen sich im häuslichen Umfeld, aber auch im Strafvollzug und bei der Kriminalität beobachten? Zudem gibt es einige Hinweise zu Unterstützungsmöglichkeiten sowie Tipps und Interviews direkt aus der Praxis. Da es sich hierbei um stetig aktualisierte Informationslagen handelt, bitten wir zu berücksichtigen, dass die Beiträge nach bestem Wissen und Gewissen zum aktuellen Stand des Redaktionsschlusses zusammengetragen wurden.

Wir hoffen unsere Leserinnen und Leser sind den Umständen entsprechend gut durch die bisherige Zeit gekommen, haben einen langen Atem für die noch folgende Zeit und vielleicht ist durch die Krise ja auch die ein oder andere neue interessante Sichtweise oder Möglichkeit erwachsen, die für gut befunden und beibehalten wird.

Uns allen weiterhin einen starken Zusammenhalt oder mit den Worten Erhard Horst Bellermanns: „Am Krisenherd darf nicht jeder sein Süppchen kochen.“

Nun wünschen wir viel Spaß beim Lesen!

Stefanie Rücknagel, Lisa Klank & Holger Dornberger

Redaktion UMSICHTEN

 

Coronapandemie und ihre Auswirkungen

Kinder und Jugendliche vor Missbrauch und Gewalt schützen

Für viele Familien in Deutschland stellen die Kontaktbeschränkungen und Quarantänemaßnahmen der Bundesregierung eine große Herausforderung dar. Die angespannte Situation kann, besonders in belasteten Familien, in Gewalt gegen Kinder und Jugendliche enden. Hilfs- und Beratungsangebote würden derzeit stärker wahrgenommen werden.

So gebe es bei dem kostenlosen Elterntelefon „Nummer gegen Kummer“ (erreichbar unter der Nummer: 0800 111 0550) gerade einen Anstieg von rund 21 Prozent gegenüber den Vormonaten. Um Kinder und Jugendliche während der Corona-Pandemie besser vor Gewalt und Missbrauch schützen zu können, stimmen sich momentan das Bundesjugendministerium und die Bundesländer über konkrete Hilfs- und Beratungsangebote ab. Bereits bestehende Online-Angebote sollen auf Grund der starken Nachfrage während der Pandemie ausgebaut und erweitert werden. Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

Erstauswertung zur Umfrage zu seelischer Gesundheit

Das Zentrum für Seelische Gesundheit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) führt eine Umfrage zur seelischen Gesundheit in Krisenzeiten durch. Bereits jetzt wurden erste Ergebnisse der Erstauswertung für den Zeitraum von Anfang bis Mitte April (01.04.20-15.04.20) präsentiert. Demzufolge kommen 60 % der Teilnehmenden mit der veränderten Situation während der Corona-Pandemie mindestens gut klar, während es 26,9 % schlecht oder sehr schlecht ergeht. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden gab an, reizbarer als sonst zu sein. Bei einem knappen Drittel (29 %) ist die Stimmung wütender und aggressiver als sonst. Diese Stimmung richtet sich zum Großteil gegen andere Personen (65,5 % gegen andere/ 32,6 % gegen sich selbst). Insgesamt gaben 5 % der Teilnehmenden an, in diesen zwei Wochen häusliche Gewalt (verbal/körperlich/sexuell) erlebt zu haben. Die Befragung sei eine der ersten und größten Umfragen zu seelischer Gesundheit in Deutschland und werde auch weitergeführt. Interessierte Personen können selbst an der Umfrage teilnehmen. Neue Ergebnisse werden, wie die Pressemitteilung zur Erstauswertung, sicher auch auf der Website zum Coronavirus der Medizinischen Hochschule Hannover veröffentlicht.

 

Deutlich mehr Einsätze wegen häuslicher Gewalt, aber kaum mehr Anzeigen

Seit einigen Wochen würden deutlich mehr Notrufe bei der Berliner Polizei bezüglich häuslicher Gewalt eingehen – doch nicht jeder Vorfall werde zur Anzeige gebracht. Frauen würden diesen Schritt oft scheuen, da sie eine weitere Eskalation oder weitreichende Konsequenzen im Falle eines Bruches mit dem Partner fürchten würden. Dennoch hab das Land Berlin die Plätze in den Frauenhäusern der Stadt deutlich aufgestockt. Seien es in den Vergleichswochen im vorangegangenen Jahr zwischen 251 und 281 Fälle von erfassten Straftaten innerfamiliärer und häuslicher Gewalt gewesen, die bei der Berliner Polizei registriert wurden, so liege der Anstieg der angezeigten Taten in diesem Jahr pro Woche bei maximal 15 %. Schaut man sich allerdings die eingehenden Notrufe und die darauffolgenden Polizeieinsätze an, so würden bis zu 54 % mehr Notrufe wegen häuslicher Gewalt bei der Polizei eingehen. Mehr Infos zu den Auswirkungen der Corona-Krise in Berlin finden sich im Bericht des rbb.

Ebenfalls mit diesem Thema beschäftigte sich die Berliner Zeitung mit ihrem Artikel vom 22.04.2020, in dem es heißt, dass die Einsätze wegen häuslicher Gewalt in Berlin im Zeitraum von Mitte März bis Mitte April um 33 % gestiegen seien (Vergleichszeitraum 2019). So habe laut des Artikels auch die Beratungs-Hotline „Gewalt gegen Frauen“ einen Anstieg um rund 20 % im April zu verzeichnen.

 

Sinkende Meldungen zu Kindeswohlgefährdung

Nach Heinz Hilgers (Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes) sei die Zahl der Meldungen von Kindeswohlgefährdungen drastisch gesunken. Vor den Einschränkungen, die die Corona-Pandemie mit sich brachte, seien ca. 60 % der Meldungen von Schulen, Kitas und aus Kinderarztpraxen an die Jugendämter gekommen. Durch die Schließung entsprechender Einrichtungen sei die „soziale Aufmerksamkeit“ zurückgegangen. Unklar sei, ob die Zahl tatsächlich gesunken, oder ob das Ausbleiben der Meldungen „nur die ‚Ruhe vor dem Sturm´ von zahlreichen Inobhutnahmen nach dem Shutdown sei“. So bleibe es abzuwarten, wie es nach Corona weitergehe. Weitere Informationen finden Sie bei der Rheinischen Post.

 

Strafvollzug und Corona

Mit der übergeordneten Frage, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf den Schutz von Ehe und Familie sowie auf die Resozialisierung hat, beschäftigt sich Dr. Jan Fährmann in seinem Beitrag für den Verfassungsblog on matters constitutional vom 17.04.2020. Neben den Kontaktbeschränkungen zwischen Gefangenen seien auch Kontakte nach außen stark eingegrenzt worden. Besuche würden bundesweit nicht mehr zugelassen werden (mit Ausnahme für Anwälte und Anwältinnen) – was natürlich die Kontaktmöglichkeiten sehr einschränken würde. Zwar sei vielerorts die Trennung der Gefangenen von Bezugspersonen durch ausgeweitete Möglichkeiten der (Video‑)Telefonie zu kompensieren versucht worden, doch müsse die Frage gestellt werden, ob dies reiche. In seinem Beitrag betrachtet Dr. Fährmann die Besuchsbeschränkungen im Hinblick auf die Grundrechtsausübung und stellt alternative Lösungsansätze vor, welche im Verfassungsblog nachgelesen werden können.

 

Abzocke im Corona-Schutzanzug

In Zeiten der Corona-Pandemie verschwinde Kriminalität nicht, sondern sie verändere sich weltweit: Mellin in Kolumbien habe im März dieses Jahres die geringste Mordrate seit 40 Jahren verzeichnet, welches ein positives Resultat der angeordneten Quarantäne sei. In Italien dagegen werde von einem Erstarken der Mafia gesprochen, welche Firmen in Notlage vermeintlich unter die Arme greife. In Deutschland gäbe es momentan zwar noch keine bundesweit erfassten Daten, allerdings gäben erste Bundesländer schon Informationen heraus, darunter Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Deren Befunde ähneln sich: Gab es vor der Krise mehr Einbrüche und Raubüberfälle, so würden diese momentan zurückgehen. Die angezeigten Fälle von Betrug dagegen würden stetig ansteigen. Mehr Informationen zum Thema finden Sie unter Zeit Online.

Zu diesem Thema veröffentlichte auch Tagesspiegel Online am 21.04.2020 einen Artikel, auf den an dieser Stelle hingewiesen wird.

 

Hilfe und Unterstützung finden

 

„Kein Kind alleine lassen“ – Soforthilfe in Zeiten vom Coronavirus

Auf der neuen Internetseite des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs können sich Kinder und Jugendliche informieren und Hilfe finden, wenn sie Sorgen und Ängste haben, ihnen Gewalt angetan wird und sie nicht weiterwissen. Neben den Möglichkeiten zu telefonieren (0800 22 55 530) oder eine Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!zu schreiben, verlinkt die Seite auch zu einem kostenfreien, anonymen Live-Chat der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, in dem man sich mit Gleichaltrigen austauschen und Unterstützung von erfahrenen Beraterinnen und Beratern erhalten kann. Zudem gibt es auch für Erwachsene Tipps und Strategien, wie man sich bei Sorgen um ein Kind verhalten kann. Für jede/n zugreifbar sind diverse Flyer und Plakate zum kostenfreien Download, auf denen darauf hingewiesen wird, was bei einem Verdacht oder einem komischen Gefühl zu tun sei und an wen man sich in solch einer Situation wenden könne.

 

Hinweise für gestresste Eltern und Anlaufstellen bei Konflikten und Gefahrensituationen

Der Kinderschutzbund hat einige Tipps und Strategien zusammengetragen, wie Familien in Stresssituationen miteinander umgehen können – gerade, wenn fast ausschließlich die eigenen vier Wände in Corona-Zeiten den Alltag bestimmen. Dafür gibt der Kinderschutzbund fünf Stressbewältigungsstrategien an die Hand. Diese sind:

  1. Perfektionismus ablegen, Gelassenheit gewinnen und als Vorbild vorleben,
  2. Bedingungslose Wertschätzung gegenüber den Kindern,
  3. Authentische Familienregeln und Grenzen setzen,
  4. Familienrituale integrieren und
  5. Entspannungstechnik (gemeinsam) lernen und praktizieren.

Für jede der fünf Strategien finden sich auf der Internetseite Beispiele, Links und weiterführende Informationen. Zudem finden sich auf der Internetseite in einem zweiten Teil hilfreiche Adressen und Ansprechpersonen in Konflikt- und Krisensituationen, an die sich sowohl Eltern als auch Kinder/Jugendliche wenden können.

 

Erstes bundesweites Hilfetelefon für Männer

In den meisten Fällen richte sich häusliche Gewalt gegen Kinder und Frauen. Doch auch Männer können Betroffene von häuslicher Gewalt und Misshandlung werden. In solchen Fällen können sich Männer an die kostenfreie Rufnummer (0800 1239900) wenden, oder auch das neu geschaffene digitale Beratungsangebot in Anspruch nehmen und dort Unterstützung erfahren. Das Hilfetelefon für Männer soll auch ein Anstoß für die Bekämpfung von Gewalt gegen Männer sein – denn das bis dato tabuisierte Thema solle konsequent in der gesellschaftlichen Diskussion einen Platz finden. Weitere Informationen finden sich im Artikel der Deutschen Welle. [Anmerkung der Redaktion: Dies ist kein auf die Corona-Pandemie zugeschnittenes Programm, ergänzt aber die in diesem Newsletter aufgeführten Hilfsangebote um eine weitere Zielgruppe.]

 

Initiative „Stärker als Gewalt“

Die Internetseite der Initiative „Stärker als Gewalt“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend trägt verschiedene Informationen zum Thema Häusliche Gewalt zusammen. So will sie Leser/innen sensibilisieren, dass Gewalt nicht erst bei körperlichen Verletzungen – sondern schon bei Bedrohungen, Beschimpfungen und der Kontrolle anderer Personen beginnt und zeigt Hinweise auf, wie man Gewalt in unterschiedlichen Lebensbereichen erkennen kann und wie man handeln solle (Handlungsorientierungen). So liege es an uns allen, auf Warnsignale zu achten und Betroffene über Hilfsangebote zu informieren. Über mögliche Hilfsangebote gibt die Internetseite ebenfalls einen Überblick. Betroffene können sich im Chat und per Telefon (in verschiedenen Sprachen) Beratung holen oder per E-Mail Fragen an ein Beratungsteam stellen. Neben spezifischen Betroffenen-Beratungsangeboten für Frauen und Männer wird ebenfalls auf die Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e. V. (BAG TäHG) hingewiesen, bei der sich Gewalt ausübende Menschen melden und Unterstützung erfahren können.

 

Gut zu wissen

Hotline der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung zur Abklärung einer Corona-Infektion

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung hat eine Hotline initiiert, die der telefonischen Klärung dient, ob jemand als Abklärungsfall zu betrachten sei. Die Hotline ist durch Fachleute des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, der bezirklichen Gesundheitsämter sowie der Charité täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr besetzt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die 030 9028 2828.

 

Erste Lockerungen für Einrichtungen der Jugendarbeit

Laut Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie ist ab dem 11.05.2020 eine stufenweise Erweiterung der Angebote unter Einhaltung der Hygieneregeln nach den §§ 1 und 2 der SARS-CoV-2-Eindämmungsmaßnahmenverordnung vorgesehen. Im Schreiben der Senatsverwaltung finden sich Eckpunkte zur Orientierung der Einrichtungsöffnungen.

Einrichtungen der Jugendarbeit müssten sich, nach Bericht des Landesjugendring Berlins, zuerst ein gesondertes Hygiene- und Abstandkonzept erarbeiten, welches sich an dem Musterhygieneplan der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie orientieren soll. Kurz und anschaulich zusammengefasst findet sich der Hygieneplan auch als zweiseitige Broschüre. Diese kann kostenfrei heruntergeladen werden.

 

Plattform „Forum Transfer.Innovative Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten von Corona“

Die ism (Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz) gGmbH hat zusammen mit Kooperationspartnern und -partnerinnen eine Online-Plattform aufgebaut, auf der sich Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe miteinander austauschen können sollen. Auf der Website gibt es Empfehlungen, Hinweise und best-practice-Beispiele. Die Initiatoren und Initiatorinnen der Plattform verfolgen laut Pressemitteilung das Ziel, dass unkompliziert Praxistipps für öffentliche und freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe veröffentlicht, ausgetauscht und erprobt werden.

 

Linksammlung zu Informationen und Tipps in verschiedenen Sprachen

Die Hürdenspringer Spandau haben eine Übersicht zu diversen mehrsprachigen Informationen, Videos, Infografiken und Beratungsangeboten zum Thema Coronavirus zusammengestellt. So lassen sich dort unter anderem mehrsprachige Informationen zum Infektionsschutz sowie Grafiken zum Corona-Bußgeldkatalog und Beratungsangebote in verschiedenen Sprachen finden.

 

Fortbildungen

Online-Seminare des Programms Fokus Medienbildung

WeTeK Berlin gGmbH und BITS 21 bieten im Rahmen des Weiterbildungsprogramms Fokus Medienbildung onlinebasierte Fortbildungen, Kompetenzförderung und Schlüssel­qualifikationen für sozialpädagogische Fachkräfte aus Berlin zu den Bereichen frühkindliche Bildung und Jugendmedienarbeit an. Im Rahmen von Webinaren, welche aus Experten- und Expertinnenvorträgen, Selbstlernabschnitten, Videochats und weiteren Formaten bestehen, erhalten die Teilnehmenden einen thematischen Einblick. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Die Weiterbildungsprogramme, welche sonst in Präsenzveranstaltungen stattfinden, sind wegen der Pandemie auf Onlineangebote umgestellt und können bequem von zu Hause aus besucht werden.

 

Kurzinterviews: 5 Fragen an...

In unserer neuen Rubrik „5 Fragen an…“ beantworten Experten und Expertinnen aus der Praxis, wie Sie mit der derzeitigen Ausnahmesituation umgehen und was das für Ihre Arbeit bedeutet. Diesmal gibt es Einblicke in die Jugendhilfe im Strafverfahren/Jugendgerichtshilfe (JuHiS/JGH) Mitte und die Diversion.

 

Andreas Ney (Fachkoordination Jugendgerichthilfe Berlin-Mitte)

1. Wie sieht momentan der Arbeitsalltag aus?

Alle Kolleginnen der JuHiS/JGH Mitte sind wieder im Büro-Dienst, in den Gerichten und da, wo sie gebraucht werden. Die Anzahl der von uns wahrzunehmenden Gerichtstermine steigt langsam, aber stetig. Leider sind Haftbesuche noch nicht möglich. Das Bezirksamt geht sehr sorgsam mit der Situation um und informiert uns laufend. Die Bürosituation ist derzeit noch ausreichend, da zwei Kolleginnen langfristig erkrankt sind und uns unsere Praktikantin nach Aussetzung ihres Praktikums durch ihre Universität vorzeitig verlassen hat. Sonst wären wir in den Büroräumen teilweise doppelt belegt und müssten in einem Schichtsystem arbeiten. Eine offene Sprechstunde findet nicht statt. Telefonische Erreichbarkeit ist sichergestellt. Neue Einladungsschreiben sind entworfen und müssen ohne unsere Verwaltungssoftware erstellt werden. Wenn eine telefonische Beratung nicht möglich oder gewünscht ist, richten wir unsere Beratungsräume entsprechend ein (Bodenmarkierungen, Plastiktrennwand, Faceshields, Masken). Desinfektionsmittel sind vorhanden.

2. Gibt es Alternativangebote? Wie sind Sie kreativ/innovativ etc. mit der Situation umgegangen?

Einer Innovation sind uns leider verwaltungs-, datenschutzrechtliche und kostenbestimmende Vorschriften entgegengesetzt. Allerdings nutzen wir in der Arbeitsgruppe zwei vorhandene Telearbeitsplätze noch häufiger als früher. Arbeitsgruppenintern besteht eine hohe Solidarität und gegenseitige Unterstützung. Eine Kollegin nähte in der Maskennot Mund-Nasen-Masken sehr professionell für fast die gesamte Arbeitsgruppe.

3. Was war/ist die größte berufliche Herausforderung? Wie wird/wurde sie bewältigt?

Allgemein ist die öffentliche Debatte und Informationslage schwierig. Einige Kolleginnen wohnen in Brandenburg und lebten/leben mit unterschiedlichen Sicherheitsvorgaben. Langsam bessert sich zwar die Situation, aber der aktuelle langsame Ausstieg aus dem Ausstieg täuscht uns nicht darüber hinweg, dass innerhalb sehr kurzer Zeit ein erneuter Ausstieg notwendig sein könnte. Auf beides vorbereitet zu sein, bzw. umzusetzen fordert uns tatsächlich heraus. Wir befürchten, dass dieser Zustand noch monatelang anhalten wird.

4. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage Ihrer Klientel ein?

Für inhaftierte Jugendliche und Heranwachsende ist die Lage äußerst problematisch. Unsere ‚Alltagsklienten‘ haben oft deutliche Schwierigkeiten, den Ernst der Lage zu verstehen – auch immer wieder Thema in der Beratung – und Sicherheitsvorgaben umzusetzen. Verfahrensstände – mitunter auch ohne Pandemiebedingungen zu lang – verlängern sich, was die pädagogische Sinnhaftigkeit weiter in Frage stellt.

5. Was möchten Sie Ihren Kooperationspartner/innen oder Klienten/Klientinnen zur derzeitigen Zusammenarbeit sagen?

Bei den freien Trägern und der Justiz, anderen Abteilungen des Jugendamtes Mitte und den Kolleginnen aus den Berliner Jugendämtern können wir uns nur für die auch in Krisenzeiten ausgezeichnete Zusammenarbeit bedanken. Unseren Klientinnen wünsche ich alles Gute und rate ihnen dringend, auf unsere Einladungsschreiben zu reagieren.

 

Katarina Pohle (Berliner Büro für Diversionsberatung und -vermittlung)

1. Wie sieht momentan der Arbeitsalltag aus?

Die Diversionsmittler/innen beraten weiterhin Jugendliche und Heranwachsende, die Straftaten begangen haben sowie bei Bedarf Eltern. Viele Tätigkeiten können aus dem Homeoffice erledigt werden. Trotzdem sind die Mitarbeiter/innen regelmäßig, z. T. täglich, in den Diversionsbüros. Bis Ende April haben wir keine persönlichen Gespräche mit den Jugendlichen in den Direktionen geführt. Stattdessen wurden Beratungen per Telefon oder Videotelefonie durchgeführt. Auch die erzieherischen Maßnahmen und Schadenswiedergutmachungen wurden den Möglichkeiten angepasst. Seit Anfang Mai führen wir auch wieder persönliche Gespräche in den Direktionen mit Beschuldigten und Geschädigten unter Einhaltung der Hygiene- und Abstands-bestimmungen.

2. Gibt es Alternativangebote? Wie sind Sie kreativ/innovativ etc. mit der Situation umgegangen?

Beratungsgespräche finden bei Bedarf „online“ statt. Hierfür mussten wir erstmal prüfen, welche Apps sich dafür eignen. Welche erfüllen die Anforderungen an den Datenschutz? Wie reagieren die Jugendlichen darauf? Unsere bisher gesammelten Erfahrungen mit dieser alternativen Gesprächsführung sind überwiegend positiv. Wir waren überrascht, wie schnell die Technik einsatzbereit ist – sowohl im Diversionsbüro als auch bei den Jugendlichen. Lediglich schlechte Internetverbindungen erschweren die Verständigung per Videokonferenz.

3. Was war/ist die größte berufliche Herausforderung? Wie wird/wurde sie bewältigt?

Am Diversionsverfahren sind verschiedene Behörden beteiligt – die Polizei vernimmt die bzw. den Jugendliche/n, prüft die Eignung für eine Einstellung nach § 45 II JGG. Die Staatsanwaltschaft als Herrin des Verfahrens entscheidet, ob der Vorgang für eine Verfahrenseinstellung geeignet ist. Die Pädagogen und Pädagoginnen im Diversionsbüro leiten ggf. im Anschluss erzieherische Maßnahmen ein. Durch die im März eingeführten Kontaktbeschränkungen wurden in allen Institutionen schnelle Entscheidungen getroffen, wie weitergearbeitet wird. So kam es, dass plötzlich nicht mehr klar war, ob sich noch alle Räder im System drehen, wer erreichbar ist, wer wie arbeitet, wo es Einschränkungen gibt. Im Diversionsbüro führte es dazu, dass in den Büros z. T. kaum noch diversionsgeeignete Vorgänge eintrafen. Wir haben Kontakt zu allen Kooperationspartnern und -partnerinnen aufgenommen, haben uns erkundigt, wie die am Strafverfahren Beteiligten derzeit tätig sind und haben kommuniziert, dass wir nach wie vor erzieherische Maßnahmen durchführen, wenn auch z. T. anders als zuvor.

4. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage Ihrer Klientel ein?

Als plötzlich die Schulen geschlossen wurden, hatten wir Gespräche mit Jugendlichen, die sich darüber gefreut haben. Inzwischen hat sich dieser Eindruck verändert und sie wünschen sich wieder Kontakt insbesondere zu ihren Mitschülern/-innen. Einige haben Schwierigkeiten, ihren Tag zu strukturieren, sich zu motivieren, die Aufgaben aus der Schule zu erledigen. Andere sind verunsichert, weil sie nicht wissen, wann es wie weitergeht. Die Situation der Jugendlichen ist keinesfalls homogen. Die individuellen Lebenslagen haben einen großen Einfluss darauf, wie die jungen Menschen mit der momentanen Situation zurechtkommen.

5. Was möchten Sie Ihren Kooperationspartner/innen oder Klienten/Klientinnen zur derzeitigen Zusammenarbeit sagen?

Wir freuen uns, wenn wir mit unseren Kooperationspartnern und -partnerinnen die gute Zusammenarbeit auch unter den derzeit schwierigen Bedingungen aufrecht erhalten und möglicherweise intensivieren können, damit junge Menschen die Verantwortung für ihr strafbares Handeln übernehmen, sich um Wiedergutmachung bemühen und somit weitere strafrechtliche Konsequenzen vermeiden können.

 

In eigener Sache

Keine Einschränkung bei der Clearingstelle

Die Clearingstelle – Netzwerke zur Prävention von Kinder- und Jugenddelinquenz der Stiftung SPI ist auch in dieser Zeit uneingeschränkt für Sie da. Wenden Sie sich gerne telefonisch (030.449 01 54) oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an uns. Alle Angebote der Clearingstelle sind weiterhin kostenfrei für Sie. Wir freuen uns Ihnen weiterhelfen zu können!

 

Kontakt zu Kriseneinrichtungen

Zusätzlich zu den in diesem Newsletter genannten, teilweise speziellen (Online‑)Beratungs-angeboten gibt es auf der Projekt-Website der Clearingstelle – Netzwerke zur Prävention von Kinder- und Jugenddeliquenz auch weiterhin Flyer und Plakate der „Krisennotdienste für Kinder und Jugendliche auf einen Blick“. Sie sind online verfügbar zum selbst Herunterladen und Ausdrucken oder können auch mit Mengenangabe bei uns bestellt werden.